Existiert der Lieferant wirklich?
Du hast über Alibaba, eine Messe oder einen Agenten Kontakt zu einem chinesischen Lieferanten aufgenommen. Adresse, Logo, Webseite — alles wirkt professionell. Doch wie kannst du sicher sein, dass das Unternehmen tatsächlich existiert und nicht nur eine Briefkasten-Adresse mit kopierten Bildern ist?
Das Risiko: Fake-Supplier & Trading-Companies
In China registrierte B2B-Plattformen wie Alibaba, Made-in-China oder Global Sources zeigen Tausende Anbieter. Was die wenigsten EU-Importeure wissen: Ein erheblicher Anteil sind reine Trading-Companies oder schlicht nicht existente Briefkasten-Firmen. Sie zeigen Fotos aus dem Internet, kopieren Zertifikate anderer Hersteller und kassieren Anzahlungen — bevor die Spur in Hong Kong oder über chinesische Zahlungs-Mittelsmänner verschwindet.
Das EU-Frühwarnsystem Safety Gate (ehem. RAPEX) dokumentiert seit Jahren Fälle, in denen Importeure auf Anbieter hereinfielen, die nach Eintreffen der Lieferung nicht mehr erreichbar waren. Auch die BAFA (Deutschland) und österreichische Außenhandelsstellen warnen regelmäßig vor Lieferanten-Identitätsbetrug aus China.
Was wir prüfen — die 5-Punkte-Verifikation
1. Unified Social Credit Code (USCC)
Jedes legal registrierte chinesische Unternehmen besitzt einen 18-stelligen Unified Social Credit Code (统一社会信用代码). Dieser kann im offiziellen Register National Enterprise Credit Information Publicity System (gsxt.gov.cn) überprüft werden. Wir verifizieren: Existiert die Firma? Wer sind die Direktoren? Stimmt die Branche zum Produkt? Wie hoch ist das eingetragene Kapital? Existiert die Firma noch (nicht abgemeldet)?
2. Geschäftslizenz (营业执照)
Die chinesische Gewerbelizenz (Business License) ist Pflicht und muss im Büro sichtbar ausgehängt sein. Sie zeigt: Firmenname (chinesisch und englisch), Rechtsform, registrierte Adresse, Gründungsdatum, Geschäftsumfang, gesetzlichen Vertreter. Wir lassen uns das Original zeigen und gleichen es gegen das öffentliche Register ab.
3. Adresse vor Ort
Eine Adresse auf Google Maps oder Baidu sagt wenig. Wir besuchen die Adresse physisch in Chengdu, Shenzhen, Yiwu — wo immer der Lieferant sitzt. Resultat in vielen Fällen: leere Halle, gemietete Repräsentanz-Adresse, oder ein Bürotisch in einem Coworking-Space. Bei echten Herstellern dagegen finden wir: laufende Produktion, Mitarbeiter, Maschinen, Lager, eindeutige Beschilderung.
4. Bank-Account-Verifikation
Eine korrekte chinesische Firma führt ihr Konto auf den Firmennamen (nicht auf einen Privatnamen, nicht in Hongkong, nicht auf ein „Trading"-Tochterunternehmen). Wir prüfen die Bankverbindung gegen die Geschäftslizenz und warnen bei Diskrepanzen.
5. Zoll- und Export-Historie
Echte Hersteller mit EU-Geschäft haben eine dokumentierte Export-Historie. Über chinesische Zollstatistik-Dienste (z.B. General Administration of Customs of China) und Drittanbieter-Datenbanken (Panjiva, ImportGenius) prüfen wir: Wer hat schon zu wem exportiert? Welche Produktcodes (HS-Codes)? Welche Volumen? Stimmt das zu dem, was der Lieferant behauptet?
Konsequenzen wenn ignoriert
- Totalverlust der Anzahlung — typischerweise 30 % des Bestellwertes. Bei einer Container-Bestellung von € 60.000 sind das € 18.000+ ohne Aussicht auf Rückzahlung.
- Keine rechtliche Handhabe — chinesische Gerichte verlangen einen konkreten Beklagten mit verifizierter Adresse. Wenn die Firma nicht existiert, gibt es niemanden zu verklagen.
- Reputations-Risiko — gelieferte minderwertige Ware mit gefälschten Zertifikaten kann zur Sperrung durch EU-Marktüberwachung führen (siehe EU Market Surveillance).
- Versicherungs-Ablehnung — Transport- und Warenkreditversicherungen verlangen verifizierte Lieferantendaten. Ohne diese erlischt der Versicherungsschutz.
Quellen & weiterführende Informationen
- National Enterprise Credit Information Publicity System — offizielles chinesisches Unternehmens-Register
- EU Safety Gate (Rapid Alert System) — RAPEX-Meldungen zu unsicheren Produkten
- General Administration of Customs of China — chinesische Zolldatenbank
- WKO Außenhandel — österreichische Außenwirtschaft mit China-Tipps
- Germany Trade & Invest (GTAI) — China — deutsche Markteintritts-Beratung
So sieht eine professionelle Verifikation aus
Wir reisen vor Ort, prüfen Geschäftslizenz im Original, gleichen gegen das Register ab und liefern einen gerichtsfesten Verifikations-Report. Bei verdächtigen Lieferanten stoppen wir die Anzahlung, bevor sie überwiesen wird.