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Sind Prüfberichte plausibel?

Prüfberichte mit großen Labor-Logos können gefälscht oder für andere Produkte sein. So prüft man Echtheit und Aussagekraft.

📖 3 Min. Lesezeit · Aktualisiert: Mai 2026
Sind Prüfberichte plausibel?

Das Risiko: Schöne Berichte, die nichts beweisen

Prüfberichte sehen oft offiziell aus: Logo einer bekannten Stelle, Stempel, Unterschrift. Doch erst genaue Prüfung zeigt: Wurde das tatsächlich verkaufte Produkt getestet? Stammt der Bericht von einem akkreditierten Labor? Sind die Testmethoden korrekt? Oder wurde nur ein Prototyp geprüft, während die Serienware aus anderen Materialien besteht?

Die EU Joint Research Centre hat in mehreren Studien dokumentiert, wie häufig "Prüfberichte" tatsächlich auf Prototypen oder Vorserien-Produkten basieren — nicht auf den final ausgelieferten Produkten.

So prüfen wir Prüfberichte auf Plausibilität

1. Akkreditierung des Labors

Echte Berichte tragen die ILAC-Akkreditierungsnummer oder die nationale Akkreditierungs-Kennung (z.B. DAkkS für Deutschland, Akkreditierung Austria für Österreich). Wir verifizieren gegen die ILAC Signatory Database.

2. Übereinstimmung mit anwendbarer Norm

Ein Bericht muss die exakte Norm referenzieren — nicht "ähnlich zu EN xxx", sondern "geprüft nach EN 60335-1:2012 + A11:2014 + A13:2017". Wir prüfen, ob diese Norm noch gültig ist (siehe EU Harmonisierte Normen) und ob das geprüfte Produkt mit der Bestellung übereinstimmt.

3. Test-Datum vs. Produktionsdatum

Ein häufiger Trick: Prüfbericht ist aus 2020 für die Vorserie, du bekommst Ware aus 2026 mit veränderten Komponenten. Wir gleichen ab: Wann wurde getestet? Wurde das Produkt seitdem geändert? Sind die Materialien noch gleich?

4. Direkte Verifikation beim Labor

Wir kontaktieren das Labor direkt mit der Berichtsnummer. Echte Labore (TÜV SÜD, DEKRA, SGS, Intertek) bestätigen die Echtheit oder dementieren bei Fälschungen.

5. Stichproben-Re-Test

Wenn der Wert hoch genug ist, beauftragen wir einen Re-Test bei einem unabhängigen Labor — z.B. TÜV Süd Chengdu oder DEKRA Shenzhen. Wir vergleichen mit dem ursprünglichen Bericht. Diskrepanzen zeigen sofort: Original-Bericht war Fake oder Vorserie-spezifisch.

6. Test-Sample-Identifikation

Im Bericht muss die Test-Sample-Identifikation stehen (Seriennummer, Charge, Produktionsdatum des getesteten Exemplars). Fehlt diese, ist der Bericht für Massenproduktion wertlos.

Häufige Fälschungsmuster

  • Logo-Kopie — TÜV/DEKRA-Logo per PhotoShop auf Eigen-Layout draufgesetzt.
  • Verfallene Norm — Norm-Version ist nicht mehr gültig (z.B. EN 60335-1:2002 — abgelöst durch Edition 2012+A11+A13).
  • Falsche Akkreditierungsnummer — gehört zu einer anderen Stelle oder existiert nicht.
  • Übernommen vom Wettbewerber — Bericht wurde für ein ähnliches Produkt eines anderen Herstellers ausgestellt, Daten umetikettiert.
  • Partial-Test — nur 1 von 12 erforderlichen Tests durchgeführt, Bericht suggeriert Vollständigkeit.

Konsequenzen wenn ignoriert

  • Marktüberwachungs-Stopp — EU-Behörden testen stichprobenartig. Bei abweichenden Werten: Verkaufsverbot.
  • Rückruf-Kosten — Stichproben-Tests durch Behörden können zu Pflicht-Rückruf führen. Kosten: € 5.000 – € 500.000 je nach Reichweite.
  • RAPEX-Eintrag — öffentliche Listung im EU Safety Gate. Bleibt jahrelang sichtbar.
  • Schadensersatz — bei Verletzungen greift die Produkthaftung.

Quellen & weiterführende Informationen

Bereit, dieses Risiko zu prüfen?

Wir machen vor Ort in China, was Remote-Audits nicht können: physische Verifikation, Originaldokumente, gerichtsfeste Foto-Reports.

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