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Gibt es Zoll-, GPSR-, REACH- oder RoHS-Risiken?

RoHS, REACH, GPSR, Zoll — vier Compliance-Bereiche, in denen Importe regelmäßig scheitern. Was die EU verlangt, was Strafen kosten.

📖 3 Min. Lesezeit · Aktualisiert: Mai 2026
Gibt es Zoll-, GPSR-, REACH- oder RoHS-Risiken?

Das Risiko: Compliance-Dschungel mit harten Konsequenzen

Beim Import aus China gilt nicht "ich kaufe in China, also chinesische Regeln". Sobald die Ware in der EU in Verkehr gebracht wird, gelten EU-Regulierungen — und zwar volle Verantwortung des EU-Importeurs. Vier Bereiche fallen besonders ins Gewicht: Zoll-Klassifikation, RoHS (Schadstoffe), REACH (chemische Stoffe) und das neue GPSR (General Product Safety Regulation, gültig seit 13.12.2024).

Die Strafen sind erheblich: Beim EU-Marktüberwachungs-Regime drohen 6-stellige Bußgelder pro Verstoß, plus Rückruf-Kosten und persönliche Geschäftsführer-Haftung.

Die vier Compliance-Pflichten im Detail

1. Zoll (Customs)

Jedes importierte Produkt braucht einen korrekten HS-Code (Harmonized System / Kombinierte Nomenklatur). Falsche Klassifizierung = Nachverzollung + Strafen. Auch zu beachten: Antidumping-Zölle (z.B. auf chinesische Solar-Module, E-Bikes, bestimmte Stahl-Produkte), Anti-Subventions-Zölle, gestaffelte Drittland-Zölle. Tool: EU TARIC-Datenbank + nationale Zoll-Tarife.

2. RoHS (Schadstoff-Beschränkung)

Die RoHS-Richtlinie 2011/65/EU (mit Updates) beschränkt 10 Schadstoffe in Elektronik: Blei, Quecksilber, Cadmium, Chrom VI, PBB, PBDE, 4 Phthalate. Schwellenwerte: typisch 0,1 % bzw. 0,01 % der Material-Masse. Pflicht-Tests mit Labor-Bericht. Bei chinesischen Lieferanten häufiges Problem: undeklariertes Cadmium in Loten oder Blei in Plastik-Stabilisatoren.

3. REACH (Chemikalien)

Die REACH-Verordnung (EG) 1907/2006 regelt chemische Substanzen. Aktuell ~240 sogenannte SVHC (Substances of Very High Concern) auf der ECHA-Kandidatenliste. Bei Konzentrationen ≥0,1 % im Produkt besteht Informationspflicht an Kunden + ggf. Notifizierungspflicht an ECHA. Häufige Treffer in China-Importen: Phthalate (DEHP, BBP) in PVC-Plastik, formaldehydhaltige Klebstoffe, blei- und cadmiumhaltige Pigmente.

4. GPSR (General Product Safety Regulation)

Seit dem 13. Dezember 2024 gilt die EU-Verordnung 2023/988 (GPSR). Sie ersetzt die alte Produktsicherheits-Richtlinie und verlangt für ALLE Konsum-Produkte (auch ohne CE-Pflicht): EU-verantwortliche Person, Risikoanalyse, technische Dokumentation, Rückruf-Plan, Online-Marketplace-Konformität. Wer mit nicht-EU-Lieferanten arbeitet, braucht zwingend einen EU-Repräsentanten in der EU.

Wie wir prüfen

  • HS-Code-Klassifizierung — wir gleichen Produkt vs TARIC ab, prüfen Antidumping-Listen.
  • RoHS-Compliance — wir verlangen vollständige Material-Deklaration (FMD) + XRF-Screening + Labor-Bericht von akkreditierter Stelle.
  • REACH-Screening — Abgleich mit aktueller ECHA-Kandidatenliste, ggf. SVHC-Test bei Verdacht (z.B. Plastik-Bauteile).
  • GPSR-Prüfung — Sicherheits-Risikoanalyse, EU-Vertreter-Bestellung, Online-Listing-Compliance (Amazon, eBay).
  • Dokumenten-Sammlung — komplette Compliance-Akte für 10 Jahre Aufbewahrung nach EU-Vorgabe.

Konsequenzen wenn ignoriert

  • Zollstopp + Nachverzollung — bei falscher HS-Codierung Nach-Zollzahlung + Bußgeld 50 %–200 % des Zollbetrags.
  • Bußgelder GPSR — bis 4 % des Jahresumsatzes oder € 100.000+ (je nach Mitgliedstaat) pro Verstoß.
  • RAPEX-Eintrag — öffentliche Listung im Safety Gate bei Sicherheits-relevanten Mängeln.
  • Verkaufsverbot — Marktüberwachung kann Produkt sofort sperren.
  • Persönliche Haftung Geschäftsführer — bei wissentlichem Inverkehrbringen ohne Compliance.
  • Versicherungs-Ausschluss — Produkthaftpflicht greift nicht bei vorsätzlichem Compliance-Verstoß.

Quellen & weiterführende Informationen

Bereit, dieses Risiko zu prüfen?

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